Die Terrarientiere

Günther Nietzke. Die Terrarientiere 3. 2002. Bearbeitet von Paul M. Kornacker. Ca. 320 Seiten, ca. 130 Fotos, 40 Zeichnungen, Pp., SU. ISBN 3-8001-7459-6

Zum Buch:

Das Buch vermittelt sowohl dem Anfänger als auch dem fortgeschrittenen Terrarianer fundiertes und umfassendes Wissen über Verbreitung, Lebensraum, Biologie und Ökologie der Krokodile und Schlangen. Es informiert über die rechtlichen Probleme bei der Haltung von Terrarientieren und hilft, eine richtige Diagnose bei der Erkrankung dieser Tiere zu stellen. Zahlreiche Farbfotos und Tabellen, eine umfangreiche Bibliografie, Sach- und Tiernamenregister und Glossar vervollständigen dieses kompakte Werk.

Einzelne Themen unter anderen:

  • Die rechtliche Seite der Terrarientierhaltung
  • Entwicklungsgeschichte, Verbreitung und Biologie
  • Fortpflanzung und Ernährung
  • Artenbeschreibungen mit Fotos
  • Herpetopathologie
  • Die Apotheke des Terrarianers
  • Präparieren
  • Literaturbeschaffung
  • Herpetologische Gesellschaften
  • Glossar
  • Sachregister
  • Verzeichnis der Tiernamen
  • umfangreiche Literatur

 

Seit über drei Jahrzehnten ist der „Nietzke" zu einem unentbehrlichen Arbeitsbuch und Nachschlagewerk für alle geworden, die sich mit Terrarientieren befassen. Mit dem vorliegenden Band 3 ist nun die vierte, vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage des Werkes komplett. Dr. Günther Nietzke hat sich selbst bis zu seinem Tod im Jahre 1998 der Fertigstellung dieser vierten Auflage gewidmet. Mit Paul M. Kornacker, Andreas Nöllert und Hagen Schmidt hat Dr. Nietzke sich der Mitarbeit qualifizierter Koautoren versichert, die jeweils eigene, spezielle Kompetenzfelder abdecken. Hartmut Nietzke, Sohn von Dr. Günther Nietzke hat entscheidend dazu beigetragen, dass dieser letzte Band ganz im Sinne seines Vaters erscheinen konnte.

Paul M. Kornacker hat den vorliegenden Band über die Krokodile und Schlangen im Wesentlichen bearbeitet, nahm zahlreiche Arten neu in den speziellen Teil auf und stellt die einzelnen Artkapitel wesentlich detaillierter dar, als dies in den früheren Auflagen war. Hinzugekommen sind zahlreiche neue Abbildungen. Auch die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) wurde in der Zwischenzeit geändert. Diese für die Haltung von Reptilien wichtigen Gesetzesänderungen konnten aber im Band 2 nicht mehr eingearbeitet werden. Für den vorliegenden Band hat Rechtsanwalt Dietrich Rössel, Frankfurt/M. ein Kapitel verfasst, das sich umfassend mit den rechtlichen Problemen bei der Haltung von Terrarientieren beschäftigt. Die terraristisch für den Privathalter wenig in Frage kommenden Krokodile sowie der äußerst wichtige Abschnitt über Herpetopathologie runden den 3. Band des „neuen Nietzke" ab.

Buchbesprechung von Dr. sc. D. Schmidt

in elaphe 11(2003) Heft 2: 24-26.

Für ältere Terrarianer unter uns ist der „Nietzke"ein Begriff: Vor 30, 40 Jahren war terraristische Literatur auf dem Büchermarkt nur spärlich vertreten. KLINGEEHÖFFERS mehrbändiges Werk war 1955 Händen zu halten, erfüllte sich durch seinen Tod Ende 1998 im 88. Lebensjahr leider nicht mehr. Mit dem nun vorliegenden Teil, der neben einigen allgemeinen Kapiteln die Artbeschreibungen von Panzerechsen und vor allem von Schlangen umfasst, ist diese Aufllage des Terrarienklassikers komplett. Die neu bearbeiteten Bände tragen dem Ziel der heutigen Terraristik Rechnung, nicht mehr viele verschiedene und möglichst seltene Terrarientiere zu pflegen, sondern sich intensiv auf die Haltung und Vermehrung weniger Arten zu konzentrieren. Die Autoren wollen dafür grundlegendes Wissen vermitteln. Weniger umfangreiche Abschnitte behandeln rechtliche Fragen (Autor: D. RÖSSEL), pathologische Probleme von Lurchen und Kriechtieren mitdem altbekannten Bestimmungsschlüssel, das Präparieren dieser Tiere sowie die Beschaffung entsprechender Fachliteratur. Den Hauptteil des Werkes machen aber die Artenteile aus. So werden fünf terraristisch relevante Panzerechsen beschrieben. 108 detailliert vorgestellte Schlangenarten mache den vorliegenden Band zu einem auch unabhängig von den ersten beiden Bänden zu nutzenden Schlangenbuch. Der Kommentar zu den einzelnen Arten gliedert sich nach dem bisherigen Schema: wissenschaftlicher und deutscher Name, Name in weiteren Sprachen, Schutzstatus, Beschreibung, geographische Verbreitung, Biologie und Ökologie, Terrarienausstattung, Heizung, Licht, Luftfeuchtigkeit, Wasser, Futter, Überwinterung, Nachzucht, Paarung, Geburt oder Eiablage / Inkubationszeit, Aufzucht, Geschlechtsreife, Verträglichkeit sowie weitere Bemerkungen. Den speziell interessierten Terrarianer werden auch die Darlegungen zu den jeweiligen Unterarten zufrieden stellen. Durch die alphabetische Sortierung nach wissenschaftlichen Namen wird die leidige Problematik häufiger Änderungen der Stellung einzelner Arten innerhalb der Klassifizierung umgangen. Die Autoren wählten dabei eine Systematik, „die eine gewisse Statik besitzt und von den meisten Herpetologen bevorzugt wird". Das mag vielleicht für Chondropython viridis oder Opheodrys aestivus noch zu akzeptieren sein, zumal die aktuellen Gattungsnamen erwähnt werden, trifft aber beispielsweise nicht mehr auf Elaphe obsoleta deckerti und williamsi oder die Unterarten von Elaphe guttata zu. Andererseits werden Neuordnungen wie Corallus hortulanus undC. ruschenbergerii herangezogen. Bei den ausgewählten Arten werden viele Leser oft gerade die Art vermissen, für die sie sich gerade besonders interessieren. Das kann natürlich nicht anders sein; sie werden aber meist Arten mit ähnlichen Ansprüchen finden. Von den 108 vorgestellten Arten sind 25 Giftschlangen. Dazu kommen noch mehrere potenziell gefährliche Nattern. Auf die Gefährlichkeit von beispielsweise Boiga dendrophila, Malpolon monspessulanus oder Rhabdophis tigrinus (früher tigrina) wird auch speziell verwiesen. Damit ist der Anteil von giftigen Schlangen relativ zu hoch. Es soll jedoch keineswegs gegen eine Haltung von giftigen Schlangen in Privathand plädiert werden, für den Einsteiger in die Schlangenhaltung ist sie jedoch absolut abzulehnen. Den Artbeschreibungen vorangesetzt sind jeweils allgemeine Abschnitte wie zur Entwicklungsgeschichte, zu Verbreitung und Lebensraum, zum Körperbau, zu Reproduktion und zur Fütterung. Dass bei aller Gewissenhaftigkeit der Erarbeitung eines so umfassenden Werkes manches korrigierenswert ist, ist wohl normal. Deshalb seien nur einige Bemerkungen dazu gestattet. Eine intrauterine Inkubation der Eier kann es nicht geben, da Schlangen keinen Uterus besitzen. Die Sicherung von Giftschlangenterrarien mit elektronisch gesicherten Verschlüssen, deren Sicherheitscodes nur dem Pfleger bekannt sind, dürfte nicht mehr bringen als ein Vorhängeschloss. Unklar bleibt, an was gedacht wurde, als über mögliche Strahlungsgeräte spekuliert wird, die „den Beginn der embryonalen Entwicklung (Zellteilungsstadien)" - mikroskopisch kleine Prozesse - ermitteln könnten. Welche Vertreter der Boidae, nicht gemeint sind Python-Arten, betreiben aktive Brutpflege durch echtes Brüten mit Temperaturerhöhung unbekannter Ursache? Zweifel an der Fertilität von Unterartbastarden sind nicht berechtigt. Es sind sogar Fälle bekannt, bei denen Artbastarde Nachkommen zeugten. Schmunzeln kann man, wenn empfohlen wird, lieber Hühnerküken statt Vögel zu verfüttern. Bei Tabelle 38 fragt man sich über deren Sinn, da nur 72 %iger Alkohol benötigt wird und das genannte Beispiel falsch ist (Zeile? Spalte?). „Reiner" Ethylalkohol aus der Apotheke kann übrigens auch vergällt sein. Das eine Seite umfassende Kapitel „Literaturbeschaffung" ist durchaus eine Hilfe, nur vermisst man leider Hinweise auf das Internet, in dem allein schon Reptilien- und Amphibiendatenbanken zu einer unverzichtbaren Hilfe geworden sind. Auch die Zusammenstellung von herpetologischen Gesellschaften und Zeitschriften hilft, wenn sie auch etwas vermessen erscheint, da viele der erwähnten Zeitschriften nur gelegentlich Beiträge herpetologischen Inhalts führen. Abschließend seien noch einige kritische Bemerkungen zum Glossar gestattet. Gerade die Definitionen von Fachausdrücken sollten korrekt sein. „Insemination" bedeutet Besamung, die „Befruchtung" findet zu einem späteren Zeitpunkt statt. Ein Fetus (veraltet „Fötus") ist keineswegs mit „Embryo" gleichzusetzen. „Perennierend" bedeutet mehrjährig und nicht nur „längerer Zeitraum". Eine Vergiftung ist eine „Intoxikation". Manche Begriffe werden zu absolut definiert. Eine „Brille" besitzen auch viele Echsen, „Hertz" ist eine allgemeine Maßeinheit für Frequenzen, einen „Prolaps" gibt es nicht nur beim Darm, „Neotropis" ist nicht mit „Neue Welt" gleichzusetzen. Wenn auch m. E. der Begriff „Morphe" (= Gestalt, Form) oft unkorrekt benutzt wird, entschuldigt das nicht, ihn mit „unterschiedlich gefärbte Exemplare innerhalb eines Taxons" zu erklären. Der Begriff „Vivioviparie" ist korrekt, was soll dann aber noch der Begriff „Ovoviparie", der keine „spezifische Form der Viviparie" ist? Das Layout des Buches ist gut, nur manchmal stolpert der Leser, wenn beispielsweise die Zuordnung des Textes zu einer Tabelle verloren gegangen ist (Beispiel S. 59). In der Grafik Abb. 29 ist die Beschriftung fehlerhaft. Die zahlreichen Farbfotos sind generell gut. Manchem Bild wäre allerdings ein etwas größeres Format zu wünschen gewesen. Als sehr positiv herausgehoben sei, dass die Literaturnachweise zu den einzelnen Kapiteln und insbesondere zu den Artbeschreibungen diesen unmittelbar nachgestellt wurden. Lediglich zitierte und weiterführende Fachbücher sind am Ende des Buches zusammengefasst. Über kleinere Unkorrektheiten, wie Textzitate, die im Literaturverzeichnis fehlen -u.a. auch bei Grafiken und Tabellen – oder Differenzen in der Schreibweise der Autorennamen oder bei der betreffenden Jahreszahl, sollte man bei der Fülle der bearbeiteten Literatur hinwegsehen. Abschließend bleibt festzustellen: Was lange währt, wird gut - der komplette neue „Nietzke" führt die gute Tradition des Werkes fort. Das zusammengefasste terraristische Wissen hat allerdings seinen Preis: immerhin bringt es das Gesamtwerk auf einen nicht von Jedermann leicht aufzubringenden Gesamtpreis von 287,90 Euro. Aber was kostet eigentlich ein Grüner Baumpython?

Buchbesprechung von Prof. Dr. H.-G. Horn in

Herpetofauna 24 (2003) Heft 139:12.

Glücklicherweise bleiben Gerüchte oftmals Gerüchte und die Realität sieht erfreulicher aus. So auch im vorliegenden Fall, als es gerüchteweise hieß, der Verlag plane, den 3. Band des NiETZKE'schen Terrarienwerkes nicht erscheinen zu lassen. Nun liegt der dritte Band also - dem Verlag sei Dank - vor, ist 378 Seiten stark und besteht aus zwei Teilen: Einem kleineren, in dem die Krokodile und einem umfangreicheren, in dem die Schlangen abgehandelt werden. Diese Aufteilung der 4. Auflage des NiETZKE'schen Terrarienwerkes in insgesamt drei statt der früheren zwei Bände war durch die Einfügung der inzwischen stark angestiegenen Erkenntnisse zur Biologie und Terraristik der in allen Bänden behandelten Arten erforderlich geworden und machte auch eine Neuaufteilung der großen Sachgebiete - Ökologie, Terrarientechnik, Amphibien, Schildkröten, Echsen, Krokodile, Schlangen - notwendig. Das Kapitel über Krokodile ist aus zwei Gründen knapp gehalten: Einmal ist die Zahl der rezenten Krokodilarten klein, zum anderen weil der Autor (G. NIETZKE) sich bewusst darauf beschränkte nur kleinere und für den »Normal«-Terrarianer auch haltbare Krokodilarten (Caiman crocodilus, C. yacare, Osteolaemus tetraspis, Paleosuchus palpebrosus) vorzustellen. Ein informativer Abschnitt mit allgemeinen Angaben wie z. B. über ihre Entwicklungsgeschichte, Anatomie, Morphologie, Fortpflanzung, Nahrung, und ein zusätzlicher Unterabschnitt über ihre Systematik (durch H. SCHMIDT) ist den Artenbeschreibungen vorangestellt. Er- wähnenswert ist der Versuch des Autors demjenigen, der sich zu einer Krokodilhaltung entschließt,, in einem Überblick die Entscheidung durch tabellarische Angaben zu erleichtem. Der größte Teil des Bandes ist aber den Schlangen gewidmet, die eine gründliche Neubearbeitung im Vergleich zur älteren Auflage durch G. NIETZKE und P. M. KORNACKER erfuhren. Vorangestellt ist den Artbeschreibungen eine sorgfältige und umfangreiche allgemeine Abhandlung der Biologie der Schlangen: Entwicklungsgeschichte, Verbreitung, Körperbau, Fortbewegung, Anatomie, Haut, Schuppen (Pholidose). Sinnesorgane werden hier ebenso beschrieben wie Alter, Fortpflanzung, Eiablage, Ernährung, Giftschlangenhaltung und eine systematische Übersicht (diese speziell durch P. M. KORNACKER). Einer Aussage dieser Einführung, dass Warane und Schlangen nicht näher verwandt seien, muss nach den Erkenntnissen einer detaillierten Untersuchung durch M. LEE, nachdrücklich widersprochen werden. Ungiftige und giftige Schlangen werden in der Artenliste in alphabetischer Reihenfolge gemeinsam vorgestellt, wobei für den Leser eine gewisse Schwierigkeit darin besteht, dass die im Fluss befindliche Nomenklatur immer wieder Ver änderungen erfährt. Entsprechend dieser Anordnung folgt also auf die giftigen Acantophis und Agkistrodon, die ungiftige Boa, auf diese die giftige Cerastes und dann wieder der ungiftige Chondropython usw. usw. Die Artenbeschreibungen folgen alle dem gleichen Schema: Einer allgemeinen Beschreibung ggf. unterstützt durch Verbreitungskarten, folgt die Abhandlung von ggf. Unterarten und Angaben zu Biologie und Ökologie, Terrarienbedingungen, Licht, Futter, Nachzucht und Eiablage sowie der Aufzucht von Jungtieren. Jeder Artbeschreibung ist eine Literaturliste zur vertiefenden Information angerügt. Die meisten Arten/Unterarten werden durch Fotos guter bis sehr guter Qualität vorgestellt. Allerdings haben die Autoren an manchen Stellen nicht der Versuchung widerstehen können ungewöhnlich gefärbten Tieren den Vorzug vor »normal« gefärbten zu geben. Diese Feststellung gilt z. B. für die auf S. 156 abgebildete Kornnatter oder für die auf S. 216 zu findende Liasis albertisii. Das könnte den Anfänger veranlassen solchermaßen gefärbte Exemplare für die Regel zu halten. Enttäuschung gäbe es dann, wenn sich die Beschaffung von Tieren mit Ausnahmefärbungen als schwierig oder teuer erwiese. Hilfreich ist dagegen die auf den Artnamen bei manchen Arten folgende Angabe des Schutzstatus (Naturschutzgesetz). Bei dem weitreichenden Anspruch NIETZKE'S möglichst alle Aspekte, die mit einer erfolgreichen Pflege von Reptilien und Amphibien zusammenhängen (Gesetzgebung, Entwicklungsgeschichte, Systematik, Taxonomie, Ökologie, Klima, Terrarienbau etc.) anzusprechen, verwundert es nicht, dass auch in diesem Band ein für ein Terrarienbuch so ungewöhnliches Thema wie die Präparation von Reptilien und Amphibien angesprochen wird. Als problematisch und nur als erste Information ist der Abschnitt »Herpetopathologie« aus verschiedenen Gründen anzusehen: Einmal verfügt nur ein Veterinärmediziner über ein umfassendes Wissen, um wirklich helfen zu können und zum zweiten sind die angegebenen Medikamente ständigen Veränderungen durch Wegfall und Neueinführung unterworfen (Beispiel: Boviserin ist nicht mehr im Handel und manche Medikamente sind nur über einen Tierarzt erhältlich). Eines schwachen Punktes mancher Terrarianer hat sich P. M. KORNACKER angenommen: Er gibt eine gelungene Einührung in die Beschaffung von Literatur. Der dritte und abschließende Band der Terrarienkunde ist ein unverzichtbares Werk zur Haltung der darin vorgestellten Tiergruppen (Krokodile und Schlangen): Die Artenbeschreibungen informieren umfassend und beantworten alle Fragen zur Pflege und Zucht dieser Tierarten. Dar über hinaus erfährt der Leser zahlreiche Details zur Biologie dieser Tiere. Das mit dem dritten Band nunmehr vollständig vorliegen de drucktechnisch hochwertige Werk stellt eine grundlegende Informationsquelle zur Terraristik der abgehandelten Arten im deutschsprachigen Raum dar. Es setzt Maßstäbe. Eine weite Verbreitung ist nicht nur dem dritten, sondern allen Bänden des »NIETZKE« zu wünschen.

Buchbesprechung von Dipl. Biol. M. Franzen in :

Spixiana 26 (2003) Heft 1:42

Der vorliegende dritte und letzte Band der "Terrarientiere" schließt die schon 1989 begonnene vierte Auflage dieses Klassikers ab. Aufbau und Gliederung des Schlangenbandes folgen dem schon in den ersten beiden Teilen(Amphibien; Echsen, Schildkröten) bewährten Muster: Nach einführenden Kapiteln - hier u.a. zu rechtlichen Problemen (der Bedeutung entsprechend nicht als kleiner Appendix irgendwo versteckt, sondern gleich auf den ersten Seiten), Entwicklungsgeschichte, Anatomie, Morphologie, Verhalten, Fortpflanzung und Haltung - folgen Artkapitel, die neben Beschreibungen und Angaben zur Biologie ausführliche terraristische Informationen enthalten. Abgeschlossen werden die Artkapitel jeweils von einem eigenen, kleinen Literaturverzeichnis, das die Übersichtlichkeit wesentlich erhöht. Schließlich folgen Kapitel über Krankheiten, Präparation, Literaturbeschaffung, ein Fachbuchverzeichnis, eine Übersicht über herpetologisch-terraristische Gesellschaften und Vereine und deren Publikationsorgane, ein Glossar sowie Register. Die Texte des Schlangen-Haupteils aus der Feder von Paul Komacker sind durchweg von hoher Qualität und, trotz der langen Vorlaufzeit bis zum Erscheinen des Buches, in den allermeisten Fällen auf dem neuesten Stand. Allein bei der Durchsicht der kurzen Literaturverzeichnisse der Artbearbeitungen fällt auf, welche immense Informationsfülle hier berücksichtigt wurde. Aufgeführt werden nämlich nicht nur terraristische Arbeiten, sondern Schlüsselzitate aus dem gesamten Spektrum der betreffenden wissenschaftlichen Literatur. Dem entsprechend lassen die Artkapitel meist keine Wünsche offen: Die terraristisch relevanten Informationen umfassen die Aspekte Terrariengröße und Ausstattung, Heizung, Licht und Luftfeuchtigkeit, Futter, Nach und Aufzucht sowie Verträglichkeit. Man mag an der Ausgabe kritisieren, daß die Anzahl der Bilder noch reichhaltiger hätte sein können. Tatsächlich findet sich lange nicht auf jeder Seite eine Photographie, und oft sind die Abbildungen dann eher klein geraten. Ich sehe in der etwas zurückhaltenden Bildauswahl jedoch durchaus eine der großen Stärken des Werkes. Terraristische "Bilderbücher" sind derzeit zuhauf auf dem Markt und in den meisten dieser Fälle geht eine üppige Bildpräsentation auf Kosten der Texte, die oft mit heißer Nadel gestrickt, beliebig und belanglos daherkommen. Der "Nietzke" folgt dagegen seiner Tradition als terraristisches Standardwerk und setzt hier eindeutig den Schwerpunkt auf Information. Genau aus diesem Grund wird das Buch auch noch in vielen Jahren in Gebrauch sein, während sich andere Terrarienbücher als Eintagsfliegen entpuppen werden. Naturgemäß kann an der Auswahl der vorgestellten Arten immer kritisiert werden, da man es hier, je nach Sichtweise und persönlichen Präferenzen, kaum jemals allen wird recht machen können. Ich möchte aber trotz, dem folgendes zu bedenken geben: Bei einigen Arten hat man den Eindruck, daß sie seit der ersten Auflage 1972 nur noch aus reiner Tradition mitgeschleppt werden. Ein solcher Fall ist zum Beispiel die Kreuzotter. Die Art spielt heute in der Terraristik praktisch keine Rolle mehr, während der betreffende Text im Buch aber mit etwa vier Druckseiten zu den längeren Artbearbeitungen gehört. Auch muß an dieser Stelle erlaubt sein, darüber nachzudenken, ob es zu rechtfertigen ist, in einem Grundlagenwerk mit extremer Breitenwirkung für solche Arten zu "werben", die nur ein sehr kleines Areal aufweisen und schon seit Jahren in der Natur einem hohen Sammeldruck ausgesetzt sind (wie z.B. die Kaukasusotter, V. kaznakovi). Diese kleineren Kritikpunkte sollten aber niemanden ernsthaft terraristisch Interessierten von der Anschaffung des Buches abhalten. Nach wie vor gibt es kein umfassenderes und genaueres Terrarienbuch als "den Nietzke".

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